Archiv Vorschau: Nach der Tour de Suisse ist vor der Schweizermeisterschaft

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Schweizermeisterschaft der Radrennfahrer im Thurgau mit vielen Favoriten. Rad-Profi Stefan Küng rechnet sich grosse Chancen aus. Auf der «Lauer» fahren zudem vom  VC Fischingen-Stars: Reto Hollenstein und Patrick Schelling!

Am Sonntag ging die Tour de Suisse zu Ende. Mehrere Schweizer Radprofis zeigten dort hervorragende Leistungen. Darunter auch die drei Profis vom VC Fischingen: Reto Hollenstein, Stefan Küng und Patrick Schelling. Nur drei Tage nach der Tour de Suisse steht die Schweizermeisterschaft im Einzelzeitfahren auf dem Programm und eine Woche nach der harten Schlussetappe der Tour de Suisse folgt die Schweizermeisterschaft im Strassenrennen. Wir haben mit den drei Profis vom VC Fischingen gesprochen und sie gefragt, ob die kurze Zeit für eine ausreichende Regeneration reicht und welche Ambitionen sie für die Schweizermeisterschaften haben.

Einzelzeitfahren am Mittwoch in Weinfelden
Der erste Termin der Schweizermeisterschaft ist für alle Kategorien am Mittwoch, 26. Juni 2019 in Weinfelden. Dort wird der VC Bürglen-Märwil das Einzelzeitfahren organisieren. Bei den Profis ist Stefan Küng Titelverteidiger und klarer Favorit. Er ist zwar mit seinen beiden Einzelzeitfahren an der Tour de Suisse nicht hundert Prozent zufrieden, weil es nicht ganz nach vorne gereicht hat: «Irgendetwas passt in diesem Jahr noch nicht optimal. Ich bin gut in Form, doch verliere ich im Zeitfahren ungefähr eine Sekunde pro Kilometer auf den Sieger. Das ist nicht viel und wenn alles stimmt, werde ich diese Lücke schliessen können.» Trotzdem war Küng an der Tour de Suisse in beiden Prüfungen gegen die Zeit der beste Schweizer und will seinen Schweizermeistertitel verteidigen. Am Wochenende Strassenrennen in Oberwangen Am Samstag, 29. Juni 2019 und Sonntag, 30. Juni 2019 werden schliesslich sämtliche Kategorien in Oberwangen zum Strassenrennen starten. Bisher sind 400 Teilnehmer angemeldet. Die Nachwuchskategorien werden ihre Rennen am Samstag ab 9:30 Uhr auf einer relativ flachen Strecke austragen. Diese Strecke führt von Oberwangen nach Balterswil, weiter nach Hurnen mit einem kurzen Anstieg zum «Gupf». Von Hurnen geht es via Vogelsang zurück nach Oberwangen.

Diese Strecke ist zwar relativ flach, aber nicht zu unterschätzen!
Der Wind und die schmalen, teils verwinkelten Strassen können das Rennen schwierig machen. Schliesslich reicht auch der kurze Anstieg zum Gupf, um eine Rennentscheidung herbeizuführen. Diese kurze Steigung auf schmaler Strasse werden die Rennfahrer/innen regelrecht hochsprinten. Entscheidend wird an dieser Stelle sein, eine gute Position ganz vorne im Feld zu haben. Wer zu weit hinten ist, muss früh vor der scharfen Abzweigung in die Steigung abbremsen, wird mit weniger Schwung um die Kurve kommen und kann erst mit Verzögerung in die Steigung fahren. Im Fachjargon nennt sich dies der Handorgeleffekt». Weil auch die folgende Abfahrt kurvenreich über schmale Strassen führt, wird es zu weiteren Handorgeleffekten kommen, was das Rennen für die Fahrer im hinteren Teil des Feldes noch schwerer machen wird. Die besten Zuschauerplätze am Samstag befinden sich denn auch am Gupf sowie im Start-/Zielbereich.

Am Sonntag geht es über den Sitzberg
Die Frauen Elite, Herren Elite sowie die Masters werden ihre Rennen am Sonntag ab 7:30 Uhr austragen. Ihre Rennen führen zunächst über einige flache Runden mit dem Gupf, bevor sie auf die anspruchsvollen Schlussrunden mit dem Anstieg von der Tannegg zum Sitzberg fahren. Diese Strecke ist sehr selektiv und verspricht spannende Rennen. Auch auf dieser Strecke sind der Gupf und der Start-/Zielbereich gute Zuschauerplätze. Zudem wird man auf den Schlussrunden am Sitzberg spannende Rennsituationen beobachten können. Die Frauen Elite werden um 7:32 Uhr starten, die Herren Elite um 13:15 Uhr.

«Die Regenerationszeit reicht aus»
Die Profis vom VC Fischingen sind sich einig, dass die Regenerationszeit nach der Tour de Suisse bis zur Schweizermeisterschaft ausreicht. «Die Zeit bis zum Zeitfahren ist knapp. Da werde ich die Müdigkeit wohl noch etwas spüren, aber nicht entscheidend. Die Regenerationszeit bis zum Strassenrennen am Sonntag reicht dann auf jeden Fall», so Küng. Auch für Patrick Schelling, der die Tour de Suisse als bester Schweizer auf dem 11. Rang in der Gesamtwertung beendete und in den schwierigen Bergetappen brillierte, reicht die Zeit: «Normalerweise reicht eine Woche mit Schwerpunkt auf der Regeneration, um relativ frisch am Start der Schweizermeisterschaft zu stehen.» Etwas schwieriger ist die Situation für Reto Hollenstein. Er hat vor der Tour de Suisse bereits den dreiwöchigen Giro d’Italia bestritten: «Ich habe in diesem Jahr schon über 60 Renntage in den Beinen und an der Tour de Suisse spürte ich die Müdigkeit vom Giro d’Italia in den Knochen. Bei so vielen Rennen muss man sich zwischendurch möglichst gut erholen. Ich hoffe, dass ich an der Schweizermeisterschaft wieder genug Energie haben werde, um vorne mitzumischen.»

«Bei keinem anderen Rennen ist der Verlauf schwieriger vorherzusagen»
Einig sind sich die drei auch, wenn es um den Ausgang des Rennens geht. Küng meint: «Diese Saison gibt es kein Strassenrennen, bei dem der Ausgang schwieriger vorherzusagen ist. Das Rennen ist sehr offen. Es gibt sehr viele starke Fahrer in der Schweiz. Viele davon fahren in kleineren Teams, die aber an der Schweizermeisterschaft in grosser Zahl vertreten sein werden, während von meinem Team nur 4 Fahrer am Start stehen. Zu Beginn wird wohl eine Gruppe ausreissen. Entscheidend wird sein, wer alles in dieser Gruppe ist. Wir dürfen uns nicht auf dem falschen Fuss erwischen lassen, denn sonst müssen wir die Nachführarbeit organisieren, was viel Energie raubt.» Schelling sieht es ähnlich: «Die Schweizermeisterschaft hat immer einen eigenen Charakter. Vielfach läuft es ganz anders als erwartet. Die Entscheidung muss nicht unbedingt am Sitzberg fallen, das kann auch an einem ganz anderen Ort sein.»

Auch Hollenstein findet, es braucht Glück.
«Die Schweizermeisterschaft ist vielfach eine Lotterie. Der Rennverlauf wird offensiv sein, weil das Rennen in diesem Jahr rund 40km kürzer ist, als in den Vorjahren. Daher erwarte ich ein sehr schnelles und attraktives Rennen. Das Rennen findet auf einer Allrounder-Strecke statt und für mich kommen viele Fahrer für den Titel in Frage. Die Mannschaftstaktik wird eine entscheidende Rolle spielen und da haben die Teams einen Vorteil, welche mit vielen Fahrern am Start stehen. Ich hingegen bin der einzige Fahrer aus meinem Team, da sonst keine Schweizer in diesem Team unter Vertrag stehen», so Reto  Hollenstein.

Viele Fahrer rechnen sich Chancen auf den Titel aus
Einen klaren Favoriten für den Schweizermeistertitel sehen die drei Profis nicht. Sie alle rechnen sich selbst Chancen aus. Für Küng ist klar: «Mein Ziel ist der Sieg. Ich will das Rennen mit meinem Team so gestalten, dass nicht die Mannschaftstaktik von einem zahlenmässig überlegenen Team entscheiden wird, sondern dass die Entscheidung „à la pedale“ fallen wird. Das heisst, es soll der Fahrer gewinnen, der die beste Form hat. Ich selbst bin gut in Form und auch wenn ich nicht als Bergfloh bekannt bin, werde ich leistungsmässig auf der ganzen Strecke mit den schnellsten Fahrern mithalten können. Die Steigung zum Sitzberg ist für Profis nicht lange. Ich hoffe, dass Entscheidung erst auf den vier Schlussrunden mit dem Sitzberg fallen wird.»
Auch Schelling, der im Gegensatz zu Küng als Bergfloh bekannt ist, rechnet sich Chancen aus: «Alleine kann man eine Schweizermeisterschaft nicht gewinnen. Eine starke Mannschaft ist enorm wichtig, denn Radsport ist ein Mannschaftssport. Wir werden mit unserem Team versuchen, eine gute Ausgangslage für das Finale zu schaffen. Ich selbst werde als Bergfahrer sicher in die Offensive gehen müssen. Bei der Tour de Suisse lief es mir sehr gut. Dass ich der beste Schweizer in den Bergetappen und im Gesamtklassement war, gibt mir viel Selbstvertrauen. Alles ist möglich.»
Etwas zurückhaltender ist Hollenstein, der erfahrenste der drei Profis: «Ich will alles geben, um eine Medaille zu erreichen. Es ist nach wie vor ein Traum von mir, einmal ganz oben zu stehen und das folgende Jahr mit dem Schweizermeistertrikot fahren zu dürfen. Ich hoffe auf eine gute Tagesform und das nötige Glück.»

Auch Rennen für «Gümmeler» und Kinder
Im Rahmen der Schweizermeisterschaft organisiert der VC Fischingen am Sonntag ein Rennen für Hobbyfahrer/innen («Gümmeler») mit Start um 10:00 Uhr in Oberwangen. Dieses Rennen führt über drei Runden mit dem Sitzberg, was total ungefähr 55 Kilometern und knapp 1‘000 Höhenmetern entspricht. Die Anmeldung ist bis kurz vor dem Start offen. Die Teilnehmer erhalten einen Goody Bag mit diversen Artikeln von den Sponsoren der Schweizermeisterschaft.
Am Sonntag um 12:30 Uhr, also kurz vor dem Start der Herren Elite, findet zudem ein Kids Race statt. Dieses ist für die ganz Kleinen (Jahrgang 2011 und jünger) und führt über 600 Meter auf der Zielgeraden in Oberwangen. Der Start am Kids Race ist gratis und die Anmeldung bis kurz vor dem Start möglich.
Alle Informationen rund um die Schweizermeisterschaft, das Hobbyrennen sowie das Kids Race finden sich unter

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